Schwimm-Biomechanik
Die Biomechanik der Schwimmgeschwindigkeit
Die Grundlegende Geschwindigkeitsgleichung beim Schwimmen
Die Geschwindigkeitsgleichung
Übersetzung: Ihre Schwimmgeschwindigkeit hängt von der Frequenz Ihrer Züge (SR) multipliziert mit der Strecke ab, die Sie pro Zug zurücklegen (DPS).
Diese täuschend einfache Gleichung bestimmt die gesamte Schwimmleistung. Um schneller zu schwimmen, müssen Sie:
- Zugfrequenz erhöhen (schnellere Kadenz) bei gleichbleibender DPS
- Zugstrecke erhöhen (mehr Strecke pro Zug) bei gleichbleibender SR
- Beides optimieren (der ideale Ansatz)
⚖️ Die Balance
SR und DPS sind im Allgemeinen umgekehrt proportional. Wenn einer steigt, sinkt der andere tendenziell. Die Kunst des Schwimmens besteht darin, das optimale Gleichgewicht für Ihren Schwimmstil, Körpertyp und aktuellen Fitnesslevel zu finden.
Zugfrequenz (SR)
Was ist Zugfrequenz?
Die Zugfrequenz (SR), auch Kadenz oder Tempo genannt, misst, wie viele vollständige Zugzyklen Sie pro Minute ausführen, ausgedrückt in Zügen pro Minute (SPM).
Formel
Oder:
Beispiel:
Wenn Ihr Zugzyklus 1 Sekunde dauert:
Wenn Sie 30 Züge in 25 Sekunden absolvieren:
📝 Hinweis zum Zählen der Züge
Bei Kraul/Rücken: Zählen Sie einzelne Armeinträge (links + rechts = 2 Züge)
Bei Brust/Schmetterling: Arme bewegen sich gleichzeitig (ein Zug = 1 Zug)
Typische Zugfrequenzen nach Schwimmstil
Sprint Kraul (50m)
100m Kraul
Mitteldistanz (200-800m)
Langdistanz (1500m+ / Freiwasser)
🎯 Geschlechtsunterschiede
Elite-Männer 50m Kraul: ~65-70 SPM
Elite-Frauen 50m Kraul: ~60-64 SPM
Elite-Männer 100m Kraul: ~50-54 SPM
Elite-Frauen 100m Kraul: ~53-56 SPM
Zugfrequenz interpretieren
🐢 SR zu niedrig
Merkmale:
- Lange Gleitphasen zwischen Zügen
- Verlangsamung und Impulsverlust
- "Totpunkte" wo die Geschwindigkeit deutlich sinkt
Ergebnis: Ineffizienter Energieeinsatz—Sie beschleunigen ständig aus reduzierter Geschwindigkeit.
Lösung: Gleitzeit reduzieren, Zug früher beginnen, kontinuierlichen Vortrieb aufrechterhalten.
🏃 SR zu hoch
Merkmale:
- Kurze, abgehackte Züge ("Rutschen ohne Vorwärtskommen")
- Schlechte Wasserfassung—Hand rutscht durch Wasser
- Übermäßiger Energieaufwand bei minimalem Vortrieb
Ergebnis: Hoher Aufwand, niedrige Effizienz. Fühlt sich beschäftigt an, aber nicht schnell.
Lösung: Zug verlängern, Wasserfassung verbessern, vollständige Streckung und Druckphase sicherstellen.
⚡ Optimale SR
Merkmale:
- Ausgewogenes Tempo—kontinuierlich aber nicht hektisch
- Minimale Verlangsamung zwischen Zügen
- Starke Wasserfassung und vollständige Streckung
- Nachhaltig bei Wettkampftempo
Ergebnis: Maximale Geschwindigkeit bei minimalem Energieverlust.
So finden Sie sie: Experimentieren Sie mit Anpassungen von ±5 SPM bei gleichbleibendem Tempo. Niedrigstes RPE = optimale SR.
Zugstrecke (DPS)
Was ist Zugstrecke?
Die Zugstrecke (DPS), auch Zuglänge genannt, misst, wie weit Sie mit jedem vollständigen Zugzyklus kommen. Sie ist ein primärer Indikator für Zugeffizienz und "Wassergefühl".
Formel
Oder:
Beispiel (25m-Becken, 5m Abstoß):
Sie schwimmen 20m in 12 Zügen:
Für 100m mit 48 Zügen (4 × 5m Abstöße):
DPS = 80 / 48 = 1,67 m/Zug
Typische DPS-Werte (25m-Becken Kraul)
Elite-Schwimmer
Wettkampfschwimmer
Fitnessschwimmer
Anfänger
📏 Anpassungen nach Körpergröße
1,83m (6'0"): Ziel ~12 Züge/25m
1,68m (5'6"): Ziel ~13 Züge/25m
1,52m (5'0"): Ziel ~14 Züge/25m
Größere Schwimmer haben natürlicherweise höhere DPS aufgrund von Armlänge und Körpergröße.
Faktoren, die DPS beeinflussen
1️⃣ Wasserfassung
Die Fähigkeit, das Wasser mit Hand und Unterarm während der Zugphase zu "fassen". Starke Wasserfassung = mehr Vortrieb pro Zug.
Übungen: Streckübungen, Faustschluss-Schwimmen, Sculling-Übungen.
2️⃣ Zugabschluss
Durchdrücken bis zur vollständigen Streckung an der Hüfte. Viele Schwimmer lassen zu früh los und verlieren die letzten 20% des Vortriebs.
Übungen: Fingerschleppen, fokussierte Streckserien.
3️⃣ Körperposition und Stromlinienform
Weniger Widerstand = mehr Strecke pro Zug. Hohe Hüften, horizontaler Körper, feste Rumpfmuskulatur minimieren den Widerstand.
Übungen: Seitliches Beinschlagen, Abstoßübungen in Stromlinienform, Rumpfstabilitätsarbeit.
4️⃣ Beinschlagwirksamkeit
Der Beinschlag hält die Geschwindigkeit zwischen Zügen aufrecht. Schwacher Beinschlag = Verlangsamung = kürzere DPS.
Übungen: Vertikaler Beinschlag, Beinschlag mit Brett, seitlicher Beinschlag.
5️⃣ Atemtechnik
Schlechte Atmung stört die Körperposition und erzeugt Widerstand. Minimieren Sie Kopfbewegung und Rotation.
Übungen: Seitliche Atemübungen, bilaterale Atmung, Atmung alle 3/5 Züge.
Das SR × DPS-Gleichgewicht
Elite-Schwimmer haben nicht nur hohe SR oder hohe DPS—sie haben die optimale Kombination für ihren Schwimmstil.
Reales Beispiel: Caeleb Dressels 50m Kraul
Weltrekord-Metriken:
- Zugfrequenz: ~130 Züge/min
- Zugstrecke: ~0,92 Yards/Zug (~0,84 m/Zug)
- Geschwindigkeit: ~2,3 m/s (Weltrekordtempo)
Analyse: Dressel kombiniert außergewöhnlich hohe SR mit guter DPS. Seine Kraft ermöglicht es ihm, trotz extremer Kadenz eine angemessene Zuglänge aufrechtzuerhalten.
Szenario-Analyse
🔴 Hohe DPS + Niedrige SR = "Übergleiten"
Beispiel: 1,8 m/Zug × 50 SPM = 1,5 m/s
Problem: Zu viel Gleiten erzeugt Totpunkte, wo die Geschwindigkeit sinkt. Ineffizient trotz guter Zuglänge.
🔴 Niedrige DPS + Hohe SR = "Rutschen ohne Vorwärtskommen"
Beispiel: 1,2 m/Zug × 90 SPM = 1,8 m/s
Problem: Hohe Energiekosten. Fühlt sich beschäftigt an, fehlt aber Vortrieb pro Zug. Nicht nachhaltig.
🟢 Ausgewogene DPS + SR = Optimal
Beispiel: 1,6 m/Zug × 70 SPM = 1,87 m/s
Ergebnis: Starker Vortrieb pro Zug mit nachhaltiger Kadenz. Effizient und schnell.
✅ Ihr optimales Gleichgewicht finden
Serie: 6 × 100m @ CSS-Tempo
- 100 #1-2: Natürlich schwimmen, SR und DPS aufzeichnen
- 100 #3: Zugzahl um 2-3 reduzieren (DPS erhöhen), Tempo halten
- 100 #4: SR um 5 SPM erhöhen, Tempo halten
- 100 #5: Mittelpunkt finden—SR und DPS ausbalancieren
- 100 #6: Notieren, was sich am effizientesten anfühlte
Die Wiederholung, die sich am einfachsten bei gleichem Tempo anfühlte = Ihre optimale SR/DPS-Kombination.
Zugindex: Die Kraft-Effizienz-Metrik
Formel
Der Zugindex kombiniert Geschwindigkeit und Effizienz in einer einzigen Metrik. Höherer SI = bessere Leistung.
Beispiel:
Schwimmer A: 1,5 m/s Geschwindigkeit × 1,7 m/Zug DPS = SI von 2,55
Schwimmer B: 1,4 m/s Geschwindigkeit × 1,9 m/Zug DPS = SI von 2,66
Analyse: Schwimmer B ist etwas langsamer, aber effizienter. Mit mehr Kraft hat er größeres Leistungspotential.
🔬 Wissenschaftliche Grundlage
Barbosa et al. (2010) fanden heraus, dass Zuglänge ein wichtigerer Leistungsindikator ist als Zugfrequenz im Wettkampfschwimmen. Die Beziehung ist jedoch nicht linear—es gibt einen optimalen Punkt, jenseits dessen eine Erhöhung der DPS (bei Verringerung der SR) aufgrund von Impulsverlust kontraproduktiv wird.
Der Schlüssel ist biomechanische Effizienz: Vortrieb pro Zug maximieren bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung eines Tempos, das Verlangsamung verhindert.
Praktische Trainingsanwendungen
🎯 SR-Kontrollserie
8 × 50m (20s Pause)
Verwenden Sie einen Tempo Trainer oder zählen Sie Züge/Zeit
- 50 #1-2: Baseline-SR (natürlich schwimmen)
- 50 #3-4: SR +10 SPM (schnellere Kadenz)
- 50 #5-6: SR -10 SPM (langsamer, längere Züge)
- 50 #7-8: Zurück zu Baseline, notieren welche sich am effizientesten anfühlte
Ziel: Bewusstsein entwickeln, wie SR-Änderungen Tempo und Anstrengung beeinflussen.
🎯 DPS-Maximierungsserie
8 × 25m (15s Pause)
Züge pro Bahn zählen
- 25 #1: Baseline-Zugzahl festlegen
- 25 #2-4: Um 1 Zug pro Bahn reduzieren (DPS maximieren)
- 25 #5: Minimale Zugzahl halten, Tempo leicht erhöhen
- 25 #6-8: Nachhaltige reduzierte Zugzahl bei Zieltempo finden
Ziel: Zugeffizienz verbessern—mehr Strecke pro Zug ohne Geschwindigkeitsverlust.
🎯 Golf-Serie (SWOLF minimieren)
4 × 100m (30s Pause)
Ziel: Niedrigste SWOLF-Punktzahl (Zeit + Züge) bei CSS-Tempo
Experimentieren Sie mit verschiedenen SR/DPS-Kombinationen. Die Wiederholung mit niedrigstem SWOLF = am effizientesten.
Verfolgen Sie, wie sich SWOLF über Wiederholungen ändert—steigender SWOLF zeigt Ermüdung, die die Technik beeinträchtigt.
Biomechanik beherrschen, Geschwindigkeit beherrschen
Geschwindigkeit = SR × DPS ist nicht nur eine Formel—es ist ein Rahmen zum Verstehen und Verbessern jedes Aspekts Ihrer Schwimmtechnik.
Verfolgen Sie beide Variablen. Experimentieren Sie mit dem Gleichgewicht. Finden Sie Ihre optimale Kombination. Die Geschwindigkeit wird folgen.